Praxis für integrative Lerntherapie
Silvia Schmidt
c/o Stadtteil-Schule Dortmund e.V.

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Lerntherapie bei Lese-Rechtschreibstörung

 

Hat mein Kind eine Lese-Rechtschreibstörung?

Es gibt viele Signale, die auf eine Lese-Rechtschreibstörung hinweisen. Eine hundertprozentige Fehlertypologie, mit der sich die umschriebene Lese-Rechtschreibstörung definieren lässt, gibt es allerdings nicht. Zudem müssen nicht alle Signale gleichzeitig auftreten, denn das Ausmaß der Schwierigkeiten in den Bereichen Lesen und Schreiben ist von Kind zu Kind unterschiedlich. In der deutschen Schriftsprache finden sich folgende Fehler:

 

Wie zeigen sich die Probleme beim Lesen?

  1. Schwierigkeiten in der Buchstaben-Laut-Beziehung,
  2. Schwierigkeiten ein unbekanntes Wort zu erlesen,
  3. Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Worten oder Wortteilen,
  4. Niedrige Lesegeschwindigkeit,
  5. Startschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern oder Verlieren der Zeile im Text,
  6. Vertauschen von Wörtern im Satz oder von Buchstaben in den Wörtern.
  7. Defizite im Leseverständnis bzw. mangelnde Sinnentnahme.

 

Wie zeigen sich die Probleme beim Schreiben?

  1. Schwierigkeiten in der Laut-Buchstaben-Zuordnung
  2. Auslassen, Hinzufügen oder Verdrehen von Buchstaben im Wort
  3. Einfügungen von falschen Buchstaben oder Wortteilen
  4. Verwechslung ähnlich klingender Buchstaben wie m/n
  5. Verwechslung visuell ähnlicher Buchstaben b/d
  6. Regelfehler (z.B. Dehnungsfehler, Fehler in Groß- und Kleinschreibung) und sog. Wahrnehmungsfehler (d-t, g-k usw. werden verwechselt)
  7. Schwierigkeiten im Abspeichern von Wörtern
  8. Hohe Fehlerzahl bei ungeübten und geübten Diktaten
  9. Viele Fehler beim Abschreiben von Texten
  10. Probleme, beim Schreiben Wortgrenzen einzuhalten
  11. Fehlerinkonstanz: Ein und dasselbe Wort wird auch nach Übung unterschiedlich fehlerhaft geschrieben.

 

Welche Probleme können noch auftreten?

  1. Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen (AD(H)S)
  2. Anzeichen von Angst und/ oder Depression
  3. Psychosomatische Symptome wie Kopf- Bauchschmerzen, Übelkeit als Symptom von Schulangst
  4. Lernunlust, Motivationsverlust
  5. Motorische Unruhe
  6. Störungen des Sozialverhaltens wie aggressives Verhalten, Kontaktstörungen

 

Was genau passiert in der Lerntherapie?

Liegt eine Lese-Rechtschreibstörung vor, sind herkömmliche didaktische Methoden oft wenig wirksam (Förderunterricht, Nachhilfe) bzw. bei Misserfolgserleben sogar nachteilig. Eine integrative Lerntherapie kann mit einer Vielzahl von Interventionsmöglichkeiten die ganz individuelle Problemlage des Kindes angehen.

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist hier die Arbeit am Symptom (also am Lerngegenstand) wirksamer als das Training basaler Funktionen (z.B. Förderung der Wahrnehmung). Deshalb ist die Förderung der Kinder auf das konkrete Lesen und Schreiben gerichtet.

Aus den Ergebnissen der standardisierten Diagnostik und der Förderdiagnostik leiten sich die Ziele und Inhalte der Therapie ab. Diese können je nach Entwicklungsstand des Kindes sein:

  1. Die Förderung der phonologischen Bewusstheit (Erarbeiten der Laute und Buchstaben, Unterscheidung von ähnlichen Lauten, Erkennen von gleichen Lauten)
  2. Übungen zur Wortdurchgliederung und Erarbeitung des lautgetreuen Bereiches
  3. Erarbeitung des Regelbereiches (Ableitung, Groß- Kleinschreibung) als Abweichung vom lautgetreuen Bereich
  4. Psycholinguistische Förderung (Wortstammtraining, Syntax)
  5. Sinnentnehmendes Lesen
  6. Übungen zum Umgang mit Texten

Besonderer Bedeutung kommt die Erarbeitung eines planvollen Arbeitsstils zu. Die Lernziele werden transparent gestaltet und mit den Kindern gemeinsam reflektiert und erarbeitet. Die Förderung ist darauf ausgerichtet, den Kindern Einsicht in ihr Tun zu vermitteln und sie bei der Erarbeitung eines reflexiven, planvollen Arbeitsstils zu unterstützen. Die Kinder lernen Strategien, mit deren Hilfe sie sich beim Schreiben selbst kontrollieren.

Dabei kommen evaluierte Programme zum Einsatz wie der Kieler Lese- und Rechtschreibaufbau und die lautgetreue Lese-/Rechtschreibförderung nach Carola Reuter Liehr.

Die Lerntherapie im Bereich der Lese-Rechtschreibstörung findet in Einzelförderung und in Ausnahmefällen in Doppelförderung statt, um die bestmögliche Förderung des einzelnen Kindes zu ermöglichen. Die Förderung findet einmal pro Woche statt, die Zeiteinheit beträgt 55 Minuten.